Wahlkolumne (7): 4400 Proteststimmen und hundert Franken für die SP

Andreas Fagetti

Als die WOZ entschied, an der Nidwaldner Nationalratswahl teilzunehmen, wurde mir die Rolle des Kandidaten zugedacht. Nach kurzer Bedenkzeit gab ich mir einen Ruck und fügte mich. Es hat sich gelohnt.

Kaum hatten wir die Kandidatur in Stans angemeldet, klingelte das Telefon. Nun stellte nicht mehr ich die Fragen, jetzt musste ich JournalistInnen Red und Antwort stehen. Das mediale Echo war gross. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit einem demokratiepolitischen Unding – nämlich einer stillen Wahl – hat jedoch kaum stattgefunden.

Darum ging es uns, nicht um eine ironische Volte und schon gar nicht um eine billige satirische Aktion. Unser erstes Ziel war bescheiden: 100 Stimmen. Markus Schär, Bundeshausredaktor der «Weltwoche», traute uns nicht einmal das zu und schloss eine Wette ab. Sollte ich die Marke übertreffen, spende er hundert Franken an die SP Thurgau, deren Präsident er einst gewesen war.

Am Wahlsonntag waren es dann 2776 Stimmen. Das entspricht einem WählerInnenanteil von 17,1 Prozent. Der letzte linke Kandidat, der heutige Landratspräsident Conrad Wagner, erzielte vor vier Jahren etwa 19 Prozent. Und: 1600 WählerInnen legten einen leeren Stimmzettel in die Urne. Rund ein Viertel der StimmbürgerInnen nutzten also den Wahlgang, um gegen Peter Keller zu votieren. Damit kommt ans Licht, was nach einer stillen Wahl verborgen geblieben wäre: Nidwalden ist kein reines, stockkonservatives SVP-Habitat.

Mit beigetragen zu diesem Resultat haben die linken Parteien im Kanton, die Grünen, die SP und die Juso, die alle eine Wahlempfehlung für mich abgegeben hatten. Sie werden sich auch künftig keine echte Chance auf ein nationales Mandat ausrechnen können. Doch wer gar nicht erst antritt, hat ohnehin verloren.

Als Auswärtiger, der nicht in Nidwalden lebt und dort links politisieren muss, ist das zugegebenermassen leicht dahingesagt. Aber der persönliche Zuspruch, den ich von vielen Menschen aus Nidwalden erhielt, ist ermutigend. Es sind BürgerInnen, die eine Wahl haben möchten, selbst dann, wenn ihr Kandidat chancenlos ist. Immerhin wird ihre Stimme so zur Gegenstimme.

Alles spricht dafür, dass in vier Jahren eine Linke aus Nidwalden antritt, damit die NidwaldnerInnen wieder eine Wahl haben.

WOZ Nr. 43/2015 vom 22.10.2015